Vergib uns unsere Schuld

Roman nach einer wahren Geschichte

Carina Kramer ist dreifache Mutter, als sie mit Ende dreißig Witwe wird. Sie sucht Trost in der Kirche und begegnet Pater Raphael von Ahrenberg, der seit über zwanzig Jahren im benachbarten Kloster lebt. Der geweihte Priester hat sich mit Leib und Seele dem Zölibat verpflichtet. Doch Carina bringt alles ins Wanken. Sie ist stark, bodenständig, zugleich zärtlich und einfühlsam. Die gemeinsame Liebe ist geprägt von heimlichen Treffen, gefolgt von umso schmerzhafteren Trennungen. Denn die Kirche lässt Raphael nicht ziehen. Von einem klärenden Gespräch mit dem Bischof kehrt er nicht zurück. Carina steht vergebens am Bahnhof. Und es kommt noch schlimmer: Sie ist schwanger. Werden ihre Widersacher trennen, was Gott zusammengeführt hat?

Interview zu
»Vergib uns unsere Schuld«

Aus der freundschaftlichen, harmlosen Beziehung wird ganz langsam mehr. So ist das Leben!

Die Tatsachenromane sind Ihr Markenzeichen geworden. Ihre Leserinnen und Leser vertrauen Ihnen private Aufzeichnungen an, aber nicht alle Geschichten, die bewegend sind, funktionieren auch als Roman. Woran erkennen Sie, ob eine Geschichte dieses Potenzial hat?

Hera Lind: Das ist ein bisschen wie ein Sechser im Lotto: Die Protagonistin muss stark sein und mutig außergewöhnliche Wege gehen, wobei sie die Herzen meiner Leserinnen erobern und kein verständnisloses Kopfschütteln auslösen sollte. Geschichten, in denen es um Rache, Vergeltung und Selbstmitleid geht, in denen also eine Opferrolle kultiviert wird, gehören nicht zwischen zwei Buchdeckel, sondern sollten anders aufgearbeitet werden.

Aber wenn der Funke überspringt, die Geschichte einen großen emotionalen Spannungsbogen und einen roten Faden hat, der mich genauso wie meine Leserinnen fesselt, dann greife ich sofort zur Tastatur. So erging es mir bei Carina!

Carina Kramer verliebt sich in einen geweihten Priester. Was macht sie zu einer starken Heldin?

Hera Lind: Carina nimmt die Herausforderung ihres Herzens mutig und unerschrocken an. Sie entscheidet sich für die Liebe und schert sich weder um die öffentliche Meinung noch um Konventionen von Kirche oder Staat. Das ist für mich das Kriterium für eine Veröffentlichung: die Vorbildfunktion dieser tapferen und selbstbestimmten Frau.

Pater Raphael von Ahrenberg, der sich mit Leib und Seele einem Orden anvertraut hat, unterliegt dem Zölibat. Sie beschreiben vor allem die freundschaftliche Komponente der ersten Begegnung. Worum ging es Ihnen dabei?

Hera Lind: Wichtig war mir herauszuarbeiten, dass Carina nicht dem „Reiz des Verbotenen“ verfallen ist, wie das sicher ins Klischee passen würde. Gerade so ein gutaussehender „Dornenvogel“ wird gern als kitschige Vorlage hergenommen. Nein, Carina braucht nach dem Tod ihres Mannes einen guten Freund, und Pater Raphael hatte noch nie eine Familie. Aus der freundschaftlichen, harmlosen Beziehung wird ganz langsam mehr. So ist das Leben!

„Vergib uns unsere Schuld“ spielt in der ehemaligen DDR, Carina und Pater Raphael haben aber weniger unter dem Regime zu leider als vielmehr unter den Repressalien der Kirche. Was hat Sie dabei am meisten erschüttert?

Hera Lind: Obwohl ich selbst Theologie für das katholische Lehramt studiert habe, war doch eines für mich neu: Sowohl die Kirche als auch die Mutter von Raphael, eine herrliche Schlüsselfigur, wollen Raphael als kleinen willenlosen Jungen, der er einmal war, behalten. Gehorsam, Armut und Keuschheit, das sind alles Eigenschaften, die ein Knabe hat. Sie weigern sich, ihn zum erwachsenen Mann werden zu lassen! Carina begreift das und lässt ihn sich entwickeln.

Carina stellt irgendwann fest, dass sie Zwillinge erwartet. Pater Raphael hält dabei alles andere als zu ihr. Sie beschreiben seine Zweifel sehr nachvollziehbar, als Leser möchte man den armen Mann aber auch mal schütteln. Wie erging es Ihnen beim Schreiben?

Hera Lind: Oh ja, das wollte ich auch! Jeden Tag schrieb ich mit rot meine Fragen in den Text: „Warum haben Sie, Carina, den Pater nicht mal geschüttelt?“ Und dann: „Darf ich ihn an dieser Stelle Pizza holen lassen, statt dass er weinend in der Ecke sitzt und betet?“ Für uns anpackende Frauen, die wir mitten im Leben stehen, ist es schwer nachzuvollziehen, dass ein Mann – selbst ein Mann Gottes – wirklich so vergeistigt ist und unter dem Bann der kirchlichen Macht steht. Aber es hatte auch eine humorvolle Komponente! Und Carina besticht durch ihren Pragmatismus und ihre mütterlich erprobte Geduld.

Carina und Raphael sind sehr unterschiedliche Charaktere und doch werden sie – so viel sei verraten – ein Paar. Was zählt am meisten in einer glücklichen Ehe?

Hera Lind: Dass man zusammenpasst. Carina braucht Raphael, und Raphael braucht Carina. Er hatte nie im Leben eine Frau, bis er 42 war. Zwei Menschen können tolle Charaktere sein – wenn sie einander aber nicht ergänzen, sondern eher ausbremsen, wenn sie einander nicht so sein lassen, wie sie sind, nicht aufblühen lassen, sondern aneinander herumerziehen wollen, dann passen sie einfach nicht zusammen! Das ist wie mit zwei Puzzleteilchen. Wenn es nicht passt, ergeben sie auch kein Ganzes.

Leserstimmen

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  • Der Geist ist willig

    Von: Chattys Bücherblog Datum: 11. Dezember 2019

    "Es ist so schön, dass du es einrichten konntest, Christa" so beginnt der neue Roman von Hera Lind, der die Idee nach einer wahren Geschichte hatte. Die Autorin hat sich in den letzten Jahren besonders durch ihre autobiografischen Romanen auf der Bestsellerliste gemacht. Ihre Ideen erhält sie durch Menschen, deren Leben eine ganz besondere Geschichte widerspiegelt und von Emotionen geprägt ist.

    Dieser Roman hat mich stellenweise wirklich aufgewühlt. Eine Liebe, die viele Stolpersteine überwinden muss und von Aufs und Abs geprägt ist. Es war eine Achterbahn der Emotionen. Man spürt deutlich, welche Dramatik in der Lebensgeschichte liegt und leidet gewissermaßen von Seite zu Seite deutlich mit. Ich wollte das Buch einfach nicht aus der Hand legen, so sehr hatte mich die Geschichte gefangen.

    Einen kleinen Minuspunkt habe ich allerdings. Gerade in der Abfangsphase ist dieser Roman sehr von Psalmen, Kirchenliedern geprägt, was mir gelegentlich doch schon etwas zuviel des Guten war. Ich denke, dass die Geschichte auch ohne die Häufung gut ausgekommen wäre, da die Lebensgeschichte schon sehr viel Platz und Emotionen einnimmt.

    Dieser Roman basiert auf einer wahren Geschichte und sollte auch als solche wahrgenommen werden. Es ist nicht alleine der Unterhaltungswert dieses Buches, sondern vielmehr die Geschichte, die dahinter steckt.

    Vielen Dank für die emotionalen Lesestunden!

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  • Ergreifende, wahre Geschichte

    Von: Nadine Dietz Datum: 7. Dezember 2019

    Dies ist seit längerer Zeit mal wieder ein Roman von Hera Lind. Das Thema hat mich sehr interessiert und berührt. Es scheint von Anfang an eine aussichtslose Liebe zu sein, da viele Steine im Weg liegen. Die Geschichte gestaltete sich als sehr emotional und eindringlich. Der Schreibstil ist im gewohnten Stil der Autorin und war sehr flüssig, leicht zu lesen und lebendig. Ich fieberte richtig mit den beiden mit. Die Charaktere waren durchgängig authentisch und echt. Zeitweise waren mir die kirchlichen Gesänge etwas zu viel. Da es sich um eine wahre Geschichte handelt, bekam sie noch mehr Eindringlichkeit und die Dramatik war sehr hoch. Das Cover gefällt mir nicht sehr und finde ich nicht passend.

    Fazit:
    Ein sehr emotionaler Roman, der mich berührt und gut unterhalten hat. Ich vergebe 4/5 ⭐

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