Mit dem Rücken zur Wand

Roman nach einer wahren Geschichte

Sara ist alleinerziehende Mutter zweier Kinder. Als sie überraschend das Haus ihrer Großmutter erbt, könnte sie aufatmen, wäre da nicht ihr Vater im Nachbarhaus, der ihre Kindheit zur Hölle werden ließ. Er war gewalttätig. Gegen Sara und ihre Mutter. Jahre sind seitdem vergangen, und weil es finanziell eng ist, bezieht Sara mit ihrer Familie das Haus. Doch der Vater nebenan wird wieder zur Gefahr. Diesmal lässt Sara sich seine Attacken aber nicht mehr gefallen. Sie ist erwachsen. Und sie hat einen Plan ...

Leserstimmen

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  • Hat mich fassungslos gemacht

    Von: buchwurm05 Datum: 16. März 2022

    Inhalt:
    Sara ist vom Leben gebeutelt. Als Kind war sie den brutalen Angriffen ihres Vaters ausgesetzt. Dann endlich scheint sich das Schicksal zu wenden. Mit ihrem Mann macht sie sich selbstständig und bald wird die Familie komplett sein. Sara ist zum zweiten Mal schwanger. Von einem auf den anderen Tag wird jedoch dieses Glück jäh zerstört. Ihr Mann kommt bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Jetzt steht sie mit 2 kleinen Kindern alleine da und weiß nicht wie es weitergehen soll. Die Rettung ist die Erbschaft von ihrer Großmutter. Neben einem Mietshaus, von dessen Einnahmen sie zukünftig leben kann, wird ihr auch ein Einfamilienhaus vermacht. Im Grünen gelegen und perfekt für Kinder. Nur diese Idylle trügt. Denn nebenan wohnt ihr Vater und der hat sich nicht wirklich geändert....

    Leseeindruck:
    "Mit dem Rücken zur Wand" ist ein Tatsachenroman. Hier geht es um die real existierende Sara und um die brutalen Übergriffe ihres Vaters. Egal an wen Sara sich wendet, immer wieder bekommt sie zu hören: so ist er halt. Selbst als sie die Polizei, nach einer heftigen Attacke ihres Vaters, einschaltet, verläuft das Ganze ins Leere. Mich hat das fassungslos gemacht. Unvorstellbar, dass dies tatsächlich einer wahren Begebenheit entspricht. Schwierigkeiten hatte ich mit der Erzählform. Im Nachwort wird erklärt, warum dieses Mal das Ganze nicht wie üblich kompakter gehalten wurde. Ja, kann ich nachvollziehen. Hat aber bei mir gerade in der Mitte für einen Hänger gesorgt. Es wiederholt sich vieles. Zudem legt Sara viel Wert darauf, dass man ihre Beweggründe nachvollziehen kann, als sie sich endlich wehrt. Oft fällt der Satz: Sara, ich kann dich verstehen. Und genau damit habe ich mich schwer getan. Ich konnte es nur bedingt. Aber auf keinen Fall konnte ich ihre Kurzschlusshandlung gut heißen, bei der sie einem Fremden im weiteren Verlauf mehr oder weniger das Leben zerstört hat. Leider erfährt man dazu nicht mehr allzu viel am Ende. Aber wer bin ich schon, um darüber zu urteilen. Ich denke, dass können nur diejenigen, die selbst solche Erlebnisse mitmachen mussten.

    Fazit:
    Ich bin immer noch schockiert wie brutal häusliche Gewalt ist. Das dies tatsächlich existiert. Genauso wichtig finde ich aber auch, dies nicht zu verschweigen. Bei "Mit dem Rücken zur Wand" hätte ich mir jedoch einen kompakteren Schreibstil gewünscht. Einfach um mich intensiver in Saras Gefühlswelt hineinzuversetzen. So ist mir viel verborgen geblieben. Bis auf die Tatsache, dass manche "Freunde" einen eher noch tiefer in eine Abwärtsspirale ziehen, als man das eh schon ist. Wer sich nicht getriggert fühlt, sollte diesen Roman lesen. Denn es ist einfach unvorstellbar was mitten bei uns in Deutschland passiert. Jeder weiß es. Alle schauen weg.

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  • Spannender Tatsachenroman

    Von: buchundkaffee Datum: 14. März 2022

    „Ich fühlte mich wie ein Flipperautomat, bei dem alle Kugeln gleichzeitig losgeschleudert wurden: Angst, Selbstmitleid, Zorn, Wut, Rache, Gerechtigkeitsgefühl, Entschlossenheit, etwas zu ändern. Jetzt. Sofort. Für immer.“ (S. 156)

    Ich zäume mal das Pferd von hinten auf. Zunächst einmal sollte das Buch unbedingt mit einer Triggerwarnung versehen werden. Es geht hier um brutale häusliche Gewalt. Es war für mich kaum auszuhalten, und ich hatte anfänglich kurz überlegt, ob ich es abbrechen sollte. Andererseits war ich wiederum so neugierig, ob Sara es geschafft hat, dieser Hölle zu entkommen. Saras Geschichte hat mich sehr betroffen gemacht und tief berührt … Hinzu kommt, dass ich schon viele Tatsachenromane der Autorin gelesen habe. Sie schreibt die Geschichten der Protagonistinnen immer so fesselnd, dass ich trotz der oft schlimmen und grausamen Geschehnisse immer weiterlesen wollte, so auch hier.

    Sara ist alleinerziehende Mutter von zwei kleinen Kindern. Ihr Mann kam bei einem Autounfall ums Leben, als sie gerade mit ihrer Tochter Romy schwanger war, und der kleine Moritz war erst zwei Jahre alt. Sie hatte mit ihrem Mann ein Restaurant betrieben, welches allerdings komplett verschuldet war. Kurze Zeit später starb auch ihre Mutter und dann auch noch ihre Oma, die ihr ihr Haus vererbte, das allerdings direkt neben dem Haus ihrer Kindheit stand, in dem auch heute noch ihr Vater lebte, der gewalttätig war und ihr und ihrer Mutter das Leben zur Hölle gemacht hat.

    Sie zieht also mit beiden Kindern in das Haus und lernt Daniel kennen, der als Untermieter zu ihr zieht und mit dem sie bald darauf auch eine Liebesbeziehung beginnt. Die Kinder mögen ihn sehr, und alles könnte so schön sein … wenn da nicht ihr Vater wäre, der sich keinen Deut gebessert hat und wieder zu einer großen Gefahr für sie wird. Auf Daniel kann sie leider nicht zählen, sie merkt schnell, dass er ein absolutes Muttersöhnchen ist und lieber wieder zu seiner Mutter zieht, anstatt Sara beizustehen.

    Dann lernt Sara Marius kennen, und ein Plan beginnt in ihr zu reifen, der allerdings in einer Katastrophe endet … Ab diesem Punkt las sich das Buch dann spannend wie ein Krimi. Das ist natürlich auch Hera Linds fantastischem Schreibstil zu verdanken. Ich hätte noch so viel zu dem Inhalt des Buches zu sagen, möchte aber nicht weiter spoilern.

    Ich habe mich oft gefragt, warum sie sich das überhaupt antut und nicht „einfach“ mit ihren beiden Kindern wegzieht, um in Ruhe ihr Leben zu leben und auch ihre Kinder zu schützen. Aber so „einfach“ war es eben nicht für sie aufgrund der finanziellen Probleme. Auch die Beziehung zu Daniel habe ich ab einem gewissen Punkt nicht mehr nachvollziehen können. Aber Sara hat ihre Gefühlswelt sehr eindringlich und absolut authentisch beschrieben, und für sie gab es keinen anderen Ausweg.

    Ich könnte noch stundenlang über dieses Buch schreiben, obwohl es mich oft sprachlos gemacht hat. Es wird mir definitiv noch nachhaltig im Gedächtnis bleiben. Von mir gibt es absolut verdiente 5 Sterne, allerdings mit einer eingeschränkten Leseempfehlung wegen der grausamen Thematik.

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  • Mit dem Rücken zur Wand

    Von: Ursula Bernotat Datum: 27. Februar 2022

    Liebe Hera Lind, dieses Buch mit dem Rücken zur Wand ist ergreifend, spannend oft nicht vorstellbar, daß es Situationen gibt im Leben welches Menschen fähig sind sie zu ertragen , heil und trotzdem gestärkt sich mit eigener Kraft herauszufinden um dann positiv in die Zukunft sehen.
    Jedes Ihrer Bücher fasziniert und hält mich bis zur letzten Seite in Spannung.
    Manchesmal auch in Aufregung weil ich mich oft auch darin wiederfinde
    In Erwartung auf Ihren nächsten Tatsachen Roman verbleibe ich mit lieben Grüßen Ursula Bernotat

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  • wieder toll geschrieben, erschreckendes Schicksal

    Von: Tilman Schneider Datum: 9. Februar 2022

    Sara hatte eine üble Kindheit. Sie musste nicht nur mit ansehen, wie ihr Vater die Mutter regelmäßig schlug und bestrafte, nein, sie wurde auch selbst immer wieder Opfer seiner Schläge und Wutanfällen. Als erwachsene Frau, kehrt sie als alleinerziehende Mutter, wieder ins Haus neben ihrem Vater zurück. Sie hat das Haus geerbt und nach dem Tod ihres Mannes und dem Verlust des gemeinsamen Geschäftes, muss sie jeden Cent umdrehen und ist dankbar, für dieses Erbe. Ein anfänglich guter Versuch, wieder Kontakt mit ihrem Vater aufzunehmen, endet wieder im Streit und mit einem Fausthieb in Saras Gesicht. Eine erneute Anzeige bringt nichts und Sara ist wieder das Opfer und der Täter kann weiter schalten und walten. Die Frustration, die Angst, die Wut steigern sich immer mehr und auch von ihrem neuen Partner, bekommt Sara keine Unterstützung. Gemeinsam mit der neuen Partnerin ihres Vaters, wünscht sie sich endlich mal eine Klatsche für den gewaltätigen Mann, aber die Frauen sind immer auf sich gestellt. Doch dann reift ein Plan…
    Hera Lind hat erneut eine wahre Geschichte aufgeschrieben und das Schicksal von Sara, deckt sich sicherlich mit vielen Frauen auf der Welt. Es ist spannend zu lesen, schrecklich und doch auch mit Hoffnung. Das Rechtssystem macht einen wütend und die Taten fassungslos. Hera Lind versteht es, ihre Figuren mit Respekt aufzubauen und zu beschreiben und bringt all die Verzweiflung, Wut und Frustration super rüber, aber genauso schenkt sie wunderschöne Moment und vereinzelte Perlen des Glücks. Das Nachwort von Sara hat mich sehr bewegt und berührt und Danke auch an das Nachwort von Hera Lind, es gibt einen Einblick in ihr Tun und Schaffen und Danke Hera Lind, dass sie so vielen eine Stimme geben und ihr Schicksal nicht im Dunkeln lassen.

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  • schriftstellerisch ein dickes Plus, inhaltlich ein ebenso dickes Minus

    Von: Annette Traks Datum: 2. Februar 2022

    Sara steht zusammen mit Helga und Marius wegen versuchten Mordes respektive Anstiftung zur gefährlichen Körperverletzung vor Gericht. Das Opfer ist der 71-jährige Vater von Sara, die zusammen mit dessen Lebensgefährtin Helga die Tat bei Marius in Auftrag gegeben hat.

    Geplant war „nur“ ein Denkzettel, doch die Aktion ist komplett aus dem Ruder gelaufen, und der alte Mann wurde so schwer verletzt, dass er lange im Koma lag, bevor er sich in der Reha erholen konnte.

    Doch Sara sieht sich nicht als Täterin, sondern als Opfer ihres narzisstischen und gewalttätigen Vaters, dem sie und ihre verstorbene Mutter stets ausgeliefert waren.

    Das Buch schildert, wie es zu der Tat kommen konnte:
    Solange Sara sich erinnern kann, hat der Vater sie und ihre verstorbene Mutter psychisch und physisch aufs Übelste schikaniert, massive Gewalt war an der Tagesordnung.

    Sara kommt schließlich auf ein Internat, absolviert anschließend sehr erfolgreich eine Lehre, heiratet, startet zusammen mit ihrem Mann ein Restaurant-Projekt und bekommt einen Sohn. Als ihr Mann bei einem Autounfall stirbt, ist sie hoch verschuldet und mit einer Tochter schwanger.

    Knapp 12 Monate später, mit Ende 20, erbt sie das Haus ihrer Großmutter, das direkt neben dem ihres Vaters steht. Sie nimmt nach einiger Überlegung das Erbe an – zum einen aus finanziellen Gründen, zum anderen weil sie Haus und Wohngegend für Sohn und Tochter als Paradies sieht und weil sie dann selbst nicht mehr arbeiten muss, sondern sich um die Kinder kümmern kann. Sie hofft, nun als Erwachsene in Harmonie und Frieden mit ihrem Vater leben zu können.

    Doch das entpuppt sich als schöner Traum, denn der alte Mann hat sich nicht geändert und macht ihr das Leben zur Hölle.

    Auch seine von ihm getrennt wohnende Lebensgefährtin Helga hat unter seiner Brutalität zu leiden, schafft es jedoch nicht, das Verhältnis zu beenden.

    Als sich zu dem an Saras Haus arbeitenden Dachdecker Marius ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt, entsteht der Plan, dass er der Geeignete ist, um dem Vater einen Denkzettel zu verpassen – Sara und Helga wollen ihn mit je 1000 € dafür bezahlen. Doch die Tat läuft komplett aus dem Ruder und hat katastrophale Folgen.

    Resümee:
    Hera Lind hat auf Bitten Saras dieses Buch mit ihrer Geschichte geschrieben.

    Bei der Beurteilung möchte ich differenzieren:
    Schriftstellerisch ist das Buch exzellent. Hera Lind versteht es, den Leser so mitzureißen, dass er in die Handlung regelrecht eintaucht. Durch die Mischung aus Rückblenden in Saras von väterlicher Gewalt geprägte Kindheit einerseits und die Schilderung der Situation als erwachsene direkte Nachbarin ihres Vaters, der ihr das Leben zur Hölle macht, andererseits, ist ein spannender Roman entstanden.

    Davon zu trennen sind inhaltliche Aspekte, denen ich mit mehr oder weniger großem Unverständnis begegnet bin. Wobei es natürlich immer schwer ist, Verhalten von Menschen in Situationen zu bewerten, die man in dieser Härte glücklicherweise nicht selbst erlebt hat, sodass man sich nur bedingt in sie hineinversetzen kann.

    Dennoch: Sara legt ihre Gründe, das Erbe der Großmutter anzunehmen und trotz ihres als gewalttätig bekannten Vaters in das Nachbarhaus zu ziehen, ausführlich dar (siehe Inhaltsangabe). Hier hatte ich bereits die vage Vermutung, dass die finanziell verschuldete junge Witwe und Mutter trotz der ausführlichen Begründungen einen Weg wählt, der für sie vordergründig am bequemsten ist, da er sie weiterer Überlegungen enthebt, wie sie ihr Leben fortan meistern will. Hat sie nach ihren extrem traumatischen Kindheits-erlebnissen wirklich geglaubt, ihr Peiniger habe sich geändert? Warum will sie nicht nur sich, sondern auch ihre Kinder dieser potenziellen Gefahr aussetzen?
    Aber o.k., da die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt, ist das Vorhaben vielleicht einen Versuch wert, obwohl selbst ihre Halbschwester sie warnt. Sara indes wischt alle Zweifel beiseite: „Darüber wollte ich lieber nicht nachdenken. Es DURFTE (sic) nicht wieder knallen!“ (Pos. 311)

    Doch bereits beim Willkommensfrühstück, zu dem Sara ihren Vater einlädt, um ihren Willen zu einer friedlichen Nachbarschaft zu demonstrieren, zeigt sich, dass er ganz der Alte geblieben ist: Er schikaniert sie und ihre kleinen Kinder während seines Besuchs aufs Übelste.

    Spätestens als sich dieses Verhalten nicht nur fortsetzt, sondern steigert und schließlich eskaliert, sodass die Situation mehr und mehr an ihren Nerven zehrt, auch ihre Kinder darunter leiden, hätte sie aus der Gefahrenzone wegziehen müssen.
    Erst recht, weil ein Grund für die Annahme des Erbes war, dass Sohn und Tochter dort behütet wie im Paradies aufwachsen könnten.

    Denn sie steht nicht „mit dem Rücken zur Wand“ (Titel), das heißt, sie ist nicht in einer ausweglosen Situation. Zum Beispiel hätte sie das Haus – wie ihre Halbschwester ihr rät – verkaufen und von dem Erlös zumindest einen Teil ihrer Schulden begleichen können. Schließlich hat sie auch noch ein Mietshaus von ihrer Großmutter geerbt, das sie und ihre Kinder nicht nur finanziell absichert, sondern ihnen sicher auch eine Wohnmöglichkeit bieten würde. Aber Sara stellt sich stur: „Es ist doch mein Recht, mein Erbe anzunehmen! (…) Meine Oma hat mir das Haus bestimmt nicht vererbt, damit ich es verkaufe!“ (Pos. 357)

    Als der Vater ihr mit der Faust so heftig ins Gesicht schlägt, dass sie monatelang in zahnärztlicher Behandlung ist, rät die Polizei von einer
    Anzeige ab: „In solche privaten Streitereien mischen wir uns von der Polizei nur ungern ein. Es bringt einfach nichts.“ (Pos. 2010). Stattdessen legt man ihr – wie später z. B. auch der Zahnarzt - einen Umzug nahe. Doch sie bleibt kompromisslos, mit dem Argument, dass sie sich damit nicht ihrem Vater beugen und die Kinder nicht aus ihrer gewohnten Umgebung reißen will … obwohl sie selbst sich kaum noch aus dem Haus traut.

    Als sie versucht, über einen Anwalt eine einstweilige Verfügung für ein Näherungsverbot des Vaters zu ihr und den Kindern zu erwirken, rät er ihr davon ab, weil er fürchtet, dass der alte Mann dann erst recht aggressiv reagiert. Stattdessen solle sie ihm aus dem Weg gehen und eine Bodycam tragen, um Übergriffe beweisen zu können.

    Sieht man von der Einstellung von Polizei und Anwalt ab, bei denen sie Hilfe gesucht hat, ist Saras Haltung generell passiv: Statt selbst aktiv zu werden und etwas an ihrer Lage zu ändern (z.B. durch Verkauf des Hauses und Umzug), hofft sie jahrelang auf die Hilfe ihrer Mitmenschen und darauf, dass jemand anderes endlich mal den Mut hat, ihrem Vater die Meinung zu sagen. Auch eine kleine Abreibung sollte ihm einmal verpasst werden, damit er weiß, wie sich so etwas anfühlt. Ihre extrem naive Hoffnung ist, dass der 70-Jährige, der Zeit seines Lebens ein brutaler Narzisst gewesen ist, sein Verhalten dann zum Positiven ändert.

    Auch das schon verzweifelt anmutende Festhalten an der On-Off-Beziehung zu Daniel, an dem sie bemängelt, dass er ihr kaum eine Stütze ist, unter dem Einfluss seiner Mutter steht, und möglichst keine Probleme haben will, entzieht sich meinem Verständnis. Bequem ist es allerdings, dass er sich um ihre Kinder kümmert, wenn sie wegen der Situation mit ihrem Vater dazu nicht in der Lage ist.

    Nein, Sara ist mir, bei allem Mitgefühl für ihre traumatische Kindheit, als Erwachsene nicht sympathisch. Sie kommt als Person rüber, die gerne den Weg einschlägt, der für sie möglichst wenig Mühe / Eigeninitiative bedeutet, sondern den andere für sie bereiten.

    Bei Schwierigkeiten hofft sie darauf, dass andere aktiv werden, ihr helfen und die Probleme für sie lösen. Tun sie dies nicht oder nur sehr bedingt, wie z.B. Daniel, so gelten sie in ihren Augen als „Weicheier“.

    Fazit: schriftstellerisch ein dickes Plus, inhaltlich ein ebenso dickes Minus.

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